Wenn man Negative digitalisieren will, ist der erste Gedanke die Anschaffung eines Diascanners. Dort gibt es viele Möglichkeiten, die ich aus unterschiedlichen Gründen nicht benutzen will oder kann.
- Flachbettscanner mit Durchlichtaufsatz
Gute Qualität, aber nicht ganz billig und vor allem habe ich hier keinen Platz dafür. Außerdem dauert der Scan ziemlich lange
- Günstige Diascanner
Bestehen aus einer kleinen Kamera, die von oben die durchleuchteten Negative abfotografiert. Das geht schön schnell, aber dank der winzigen Kamera produzieren diese Scanner recht schlechte Qualität
- Professionelle Diascanner
Beste Bildqualität, allerdings auch >2 Minuten pro Bild und vor allem preislich für mich völlig uninteressant (Für alle aus Göttingen: Im LRC der SUB (Staats- und Universitätsbibliothek kann man einen Nikon Coolscan 9000 benutzen).
Am liebsten hätte ich also einen dieser günstigen Diascanner mit Kamera, weil es schnell geht. Nur eben mit guter Qualität. Klingt doch eigentlich ganz einfach, oder?
Benötigtes Equipment

Meine Lösung basiert darauf, dass ein Blitz die Negative von hinten ausleuchtet, ihr benötigt also einen Aufsteckblitz und um der Einfachheit Willen noch einen Funkauslöser. Außerdem braucht ihr noch eine digitale Kamera, einen Karton (z.B. ein Schuhkarton), ein Blatt weißes Papier, ein Stück Pappe und wie so oft ein wenig Tape. Weil ich gerne einen professionellen Diascanner haben wollte, habe ich den Karton eines Diascanners benutzt
Bauanleitung
- Nehmt den Karton und schneidet im hinteren Drittel des Deckels ein Loch, das gerade groß genug ist, dass der Kopf des Blitzes hindurch passt. Je größer das Loch, desto mehr Licht geht euch verloren.
- Schneidet ein Loch in die Front, das größer ist, als das größte Negativformat, dass ihr scannen wollt.
- Schneidet ein Stück Pappe, das etwas größer ist, als das Loch in der Front und schneidet ein Loch mittig in diese Pappe, die etwas größer ist als das Negativ.
- Klebt die Pappe mit zwei Streifen Tape vor das Loch in der Front.
- Schneidet aus dem Blatt Papier zwei Streifen, die so hoch sind wie der Karton und klebt diese mit Tape leicht gebogen in das innere des Kartons.
Damit ist der Bau auch schon abgeschlossen.

Benutzung
Die Negative könnt ihr jetzt einfach hinter die Pappe stecken und so ausrichten, dass ein Bild direkt hinter der Öffnung zu sehen ist. Den Blitz mit dem Fernauslöser legt ihr auf den Deckel und stellt ihn auf volle Leistung. Die Kamera auf ein Stativ davor und fotografiert das von hinten beleuchtete Negativ einfach ab. Die Ausleuchtung ist durch die zwei Stück Papier im inneren schön gleichmäßig und eure Kamera macht sicherlich bessere Fotos als die Kamera in diesen billigen Diascannern.

Invertieren der Bilder
Die Software der Diascanner invertiert die Bilder von den Negativen automatisch, diesen Schritt müsst ihr noch selbst durchführen. Hierfür könnt ihr das Bild beispielsweise in Fotoshop öffnen und mit Hilfe der Tastenkombination STRG+I invertieren. Danach müsst ihr noch eine eventuelle Farbmaske des Filmmaterials entfernen, aber dazu schreibe ich in den nächsten Tagen einen eigenen Blogpost. Es geht sogar mit einem Lightroom Preset, was sehr praktisch bei größeren Mengen ist.
Fazit
Ich habe mit einem Kostenaufwand von ein paar Streifen Tape und etwas Altpapier einen “Diascanner” gebaut, der auf dem gleichen Prinzip basiert wie diese Drogerie-Scanner, nur dass ich als Kamera keine Handykamera benutze, sondern eine DSLR mit einem sauscharfen Makroobjektiv. Die Bildqualität gewinnt dadurch auf jeden Fall und ich kann damit beliebige Formate digitalisieren (Mittelformat!).
Hier noch ein erstes Tesbild (Ines: Ich hoffe, du hast nichts dagegen
)
