Das Thema Datensicherung kommt bei Fotografen ja immer mal wieder zur Sprache. Weil seien wir mal ehrlich, was kann schon schlimmeres passieren als die Bilder der letzten Jahre zu verlieren. Unwiederbringlich weg. Da ich mich im richtigen Leben unter anderem mit Backup-Systemen beschäftige, will ich nach der Frage auf Kwerfeldein da nun auch mal meine Meinung und Erfahrungen verschriftlichen. Zuerst muss ich sagen, dass es bei diesem Thema keine perfekte Lösung geben wird. Jeder muss seinen eigenen Kompromiss zwischen Aufwand, Komfort und Kosten finden. Erstmal möchte ich auf einige Punkte eingehen, die man bei der Sicherung seiner Daten berücksichtigen sollte.
Welche Daten muss ich sichern?
Bevor ihr euch Gedanken über die technische Umsetzung macht, solltet ihr euch erstmal überlegen, was ihr eigentlich sichern wollt und müsst. Ich denke, es ist klar, dass die Bilddateien gesichert werden müssen. Aber ist es nicht auch sinnvoll, das Betriebssystem zu sichern? Weil bei einem Ausfall der Festplatte sind nicht nur die Bilder weg, sondern auch das ganze Betriebssystem inklusive aller Software muss neu aufgesetzt werden und konfiguriert werden. Spätestens wenn man damit sein Geld verdient, kann es sehr unangenehm werden, wenn man einige Tage nicht vernünftig arbeiten kann.
Je mehr Daten ich sichere, desto teurer wird das Backup, deshalb sollte man hier etwas Sparsamkeit walten lassen. Damit meine ich nicht, dass man wichtige Systeme nicht sichern sollte, sondern vielmehr genau überlegen sollte, ob man wirklich alle Bilder eines Shootings benötigt. Ich habe sehr viele Bilder mit geschlossenen Augen, nicht ausgelösten Blitzen und ähnlichen Fehlern, vielleicht sollte man die einfach gleich zu Beginn löschen, dann landen sie auch niemals im Backup
Wie oft muss ich meine Daten sichern?
Eine wichtige Erkenntnis ist die, dass euch Datenträger immer dann kaputt gehen, wenn ihr es nicht gebrauchen könnt. Wenn ihr ein Original löscht, weil ihr gerade mal Platz braucht, weil es ja sowieso noch im Backup ist, wird euch das Backup in genau diesem Moment kaputt gehen. Von daher ist Redundanz wichtig, auch wenn die Kosten dadurch steigen.
RAID
Wenn es um Backups geht, dann kommt man um die Abkürzung RAID nicht vorbei. Ich möchte hier aber gar nicht theoretisch werden, sondern einfach ein wenig aufzählen. Es gibt unterschiedliche RAID Modi:
RAID0
Beim sogenannten Striping werden die Daten auf zwei Festplatten verteilt geschrieben. Im Zweifel ist also keine Datei auf nur einer Festplatte komplett vorhanden, was zum totalen Datenverlust bei Ausfall einer Festplatte führt. Dafür bietet ein solches System aber nahezu die doppelte Geschwindigkeit, weil ja auf zwei Festplatten gleichzeitig geschrieben wird.
RAID1
Beim Mirroring wird das Gegenteil des Stripings gemacht, also eine Datei wird nicht auf zwei Festplatten verteilt, sondern auf beide Festplatten gleichzeitig geschrieben. Somit sind auf beiden Festplatten die identischen Daten, womit beim Ausfall einer Festplatte keine Daten verloren gehen.
RAID10
Hier wird RAID0 und RAID1 kombiniert, man setzt sozusagen zwei RAID0 Systeme in ein RAID1. Somit hat man ein System aus 4 Festplatten, das einen Festplattenausfall tolerieren kann, aber trotzdem den Geschwindigkeitsvorteil des Stripings nutzt.
RAID5
Ein System, bei dem durch die Verwendung sogenannter Parity Bits in einem System aus 4 Platten der Ausfall einer Platte toliert werden kann, das aber ebenfalls verteilt über die Festplatten schreibt und somit verhältnismäßig schnell ist.
Jetzt sieht das ja so aus, als sei ein RAID0, RAID10 oder RAID5 System alles, was man braucht. Aber das ist es nicht, denn zum einen schützt es einen nicht vor der eigenen Blödheit, dass man Dateien löscht. Weil gelöscht ist dann auch überall gelöscht. Zum anderen kann ein solches System durch äußere Einwirkung auch als ganzes kaputt gehen (Brand, Wasserschaden, Blitzschlag, …).
Wo bewahre ich meine Backups auf?
Oft vernachlässigt wird der Aufbewahrungsort des Backups. Weit verbreitet sind beispielsweise externe Festplatten, die am Rechner angeschlossen bleiben. Bei einer Überspannung, sind dann also gleich der Rechner (und damit das Original) als auch die am gleichen Stromkreis befindliche externe Festplatte (und damit das Backup) hinüber. Also hat der falsche Aufbewahrungsort dazu geführt, dass das gesamte Backup nutzlos war. Daher sollte das Backup im Idealfall an einem anderen Ort aufbewahrt werden, als das Original. Das schützt dann auch gleich vor Feuer, Wasserschaden, Diebstahl, …
Wie lange lebt mein Backup-Medium?
Ebenfalls häufig unbeachtet bleibt der Fakt, dass jedes Speichermedium nach einer gewissen Zeit seine Eigenschaften verliert. So ist eine CD häufig schon nach 5-10 Jahren nicht mehr lesbar, während eine DVD im Mittel bis zu 30 Jahre hält. Bei Festplatten hängt es stark von der Laufzeit und Qualität der Platten ab, aber häufig wird von einer Lebenserwartung von 5-10 Jahren ausgegangen. Ebenfalls wichtig ist die Frage der Lesegeräte und Dateiformate. Vor zwanzig Jahren war es üblich 5 1/4″ Disketten zu benutzen und jede Software hatte ein eigenes Dateiformat. Versucht mal, die heute (20 Jahre später) zu lesen. Eine lange Lebensdauer des Medium ist also nur die halbe Miete. Wer weiß schon, ob ich in 20 Jahren noch das .cr2 Raw-Bild aus meiner Kamera lesen kann, es also für mein Betriebssystem noch einen Raw-Konvertierer gibt.
Man sollte sich dessen bewusst sein, wenn man die Bilder der eigenen Hochzeit auf CD in den Schrank stellt, wird man sie den Enkelkindern nicht mehr zeigen können.
Langzeitarchivierung
Langzeitarchivierung ist ein Thema, das auch im industriellen Umfeld großteils unbehandelt ist. Der grundlegende Ansatz ist aber klar, man wählt einige Speichermedien, mit möglichst langen Lebensdauern aus, die ein gutes Preisleistungsverhältnis haben. Darauf speichert man seine Daten und stellt sicher, dass man seine Daten regelmäßig und frühzeitig auf neue Speichermedien umkopiert, um auch in Zukunft immer an die Daten ranzukommen. Bei jedem “Umkopieren” sollte man sich gegenenfalls Gedanken machen, ob man die Dateiformate in etwas moderneres konvertiert, wenn sich abzeichnet, dass sie bald nicht mehr unterstützt werden. Sowas lässt sich mit Hilfe von HFS (Hierarchische Dateisystem) automatisieren, aber für Fotografen wird das wohl immer von Hand passieren.
Meine Lösung
Ich habe hier einen Fileserver stehen, der 4×1.5TB Festplatten hat und im RAID5 läuft. Darauf schiebe ich sowohl die Bilder samt des Lightroom Katalogs als auch das Backup des Betriebssystems. Dann gibt es weiterhin eine externe 2TB Festplatte, auf der ebenfalls Bilder und Betriebssystem liegen. Dieses externe Platte ist in der Regel nicht in meiner Wohnung.
Ich habe hier jetzt viele Dinge außen vor gelassen, die sicherlich von Interesse wären. Wenn ihr also Interesse an weiterführenden Artikeln (Backup-Software, Versionierung/Snapshots, Verifikation des Backups, Linux-Fileserver, …) zu dem Thema habt, meldet euch in den Kommentaren, bei Twitter oder per Mail.